DFB-Pokal | Unmut nach Absage

Es hätte ein toller Pokalabend am Lotter Kreuz werden sollen, doch daraus wurde nichts: Das für gestern Abend angesetzte DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen den Sportfreunden Lotte und Borussia Dortmund wurde eine halbe Stunde vor dem geplanten Anstoß seitens des DFB abgesagt.

Der Rahmen stimmte: gut 9.500 Zuschauer hätten dem Spiel den passenden Rahmen gegeben und die Sportfreunde Lotte haben in mühsamer Arbeit und unter Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher alles in Bewegung gesetzt um den Besuchern einen unvergesslichen Abend zu bieten. Dass der Abend aus anderen Gründen lange in Erinnerung bleiben wird, daran hatte gegen 19:00 Uhr noch keiner gedacht, als es im „Frimo-Stadion“ erst zu regnen und schließlich zu schneien begann. Der Platz lag nur eine halbe Stunde später unter einer leichten Schneedecke, Lottes Platzwart Fred Brandt begann schon mit dem Auftragen der roten Linienmarkierungen. Borussia Dortmund war draußen, auch das Schiedsrichtergespann um Dr. Felix Brych schaute sich das Geläuf noch einmal an. Eine Stunde vor dem Spiel deutete nichts auf eine mögliche Absage hin, auch seitens des DFB wurde eine Absage noch nicht in Erwägung gezogen. Auch am frühen Abend wurde das Spielfeld von der Plazkommission noch als bespielbar ausgezeichnet. Es schien, als würde es ein wahrer „Pokalfight“ werden, eine Fußballschlacht, für die man den Pokal und vor allem die kleineren Vereine doch liebt. Doch die Chance auf ehrlichen „Malocherfußball“ bekamen die Sportfreunde Lotte nicht.



Gegen 20:15 Uhr, und damit eine halbe Stunde vor dem Anstoß, informierte Stadionsprecher Alfons Manikowski die Zuschauer über die Spielabsage. Schiedsrichter Dr. Felix Brych entschied in Absprache mit Vereinen und Verbänden das Spiel nicht anzupfeiffen, die Gesundheit der Spieler sah der Spielleiter in Anbetracht des weichen und tiefen Bodens im Stadion nicht mehr geschützt. Ein Witz, wenn man bedenkt unter welchen Bedingungen das Achtelfinale gegen 1860 München oder auch zahlreiche Spiele im Amateurfußball Woche für Woche über die Bühne gingen oder gehen. Das Spielfeld präsentierte sich zwar in schlechtem, aber nach Meinung vieler noch bespielbaren Zustand. Sichtlich verwundert war auch SFL-Torwarttrainer Bastian Görissen, der im Moment der Absage zum Warmmachen den Platz betrat und augenscheinlich nicht glauben konnte, was da gerade passiert. Die Sportfreunde Lotte schienen mit der Absage ebenfalls nicht konform zu gehen, blieben trotz der harten Nachricht jedoch höchst professionell, reagierten besonnen und bewiesen „Köpfchen“ in dem man die Zuschauer auf ein ruhiges und besonnenes Verlassen des Stadions hinwies. Pfiffe, Sprechchöre, Frust – die Reaktionen der Fans beider Lager waren absolut nachvollziehbar. Viele Fans haben lange Anreisen oder andere Hürden in Kauf genommen und überwunden um das Spiel zu sehen. Und das Spiel wurde den Fans und den Sportfreunden Lotte genommen.

Der Frust saß bei einigen Fans besonders tief: Gut achtzig Anhänger aus dem Lotter Lager machten ihren Unmut am Zaun vor den Kabinen und dem Pressebereich Luft, erst der auflaufende Sicherheitsdienst und die Polizei konnten die aufgeheizte Situation beruhigen und auflösen. Der Ärger ist absolut nachvollziehbar, die Reaktionen rufen jedoch teilweise Kopfschütteln hervor. So auch in den sozialen Netzwerken: Die Sportfreunde Lotte wurden bereits direkt nach der Absage in einer unwürdigen und respektlosen Weise angegangen, selbst vor Beleidigungen machten die Nutzer nicht halt. Die Sportfreunde Lotte haben alles für die Austragung getan, zahlreiche Stunden investiert und ist keinesfalls an der Spielabsage schuld – diese Art der Behandlung hat der Aufsteiger in die dritte Liga nicht verdient.

„Bitte behalten Sie ihre Eintrittskarten“, Lottes Ordnungsdienst wies die Besucher am Ausgang auf die Güktigkeit der Tickets beim Nachholtermin hin. Nachgeholt wird das Spiel höchst wahrscheinlich am 14.03.. Rufe nach einer Verlegung der Partie nach Osnabrück oder Bielefeld machen die Runde – für die Sportfreunde Lotte ein Schlag ins Gesicht. Auch wenn der Platz in einem schlechten Zustand ist und noch nicht über eine Rasenheizung verfügt. Doch wenn der DFB wirklich so viel von seiner Basis und den kleinen Vereinen hält wie der Verband immer vorgibt, dann kann es keine andere Möglichkeit als das Spiel dort stattfinden zu lassen wo man sich das Viertelfinale erarbeitet und verdient hat – in Lotte. Die Sportfreunde Lotte geben zeitnah Informationen zum Nachholtermin heraus. Und wie auch immer die aussehen mögen: Ein fader Beigeschmack der gestrigen Absage bleibt auch am Tag danach.