DFB-Pokal | 2:0 – Lotte steht im Viertelfinale

Kaum einer hätte vor dieser Saison auch nur ansatzweise daran geglaubt: Die Sportfreunde Lotte stehen im Viertelfinale des DFB-Pokals. Am Abend gewannen die Blau-Weißen gegen den TSV 1860 München mit 2:0 (1:0) und belohnten damit eine abermals herausragende Leistung.

Der Pokal scheint den Sportfreunden zu liegen: Nach Werder Bremen und dem TSV Bayer Leverkusen scheitert nun auch der dritte Favorit an den Kickern vom Autobahnkreuz. Und das alles andere als unverdient. Doch zunächst hieß es Bangen in Lotte. Einsetzender Schneefall hatte den Platz während der in eine weiße und unbespielbare Fläche verwandelt, das Spiel stand am Morgen noch auf der Kippe. Doch Lotte zeigte ein weiteres Mal starken Zusammenhalt: Über achtzig Helfer aus der Gemeinde, dem Verein und auch aus dem benachbarten Osnabrück schaufelten bis in den Nachmittag die Schneemassen aus dem Stadion und machten sowohl Platz als auch Ränge bereit für einen weiteren Pokalabend. Von Beginn an drückte der Gastgeber und zeigte, dass man ihn auch heute unbedingt auf der Rechnung haben muss. Die Löwen, seines Zeichen Zweitligist, kamen zunächst überhaupt nicht ins Spiel und hatten sichtliche Probleme mit dem Platz und dem frech aufspielenden Gegner. So waren es die Sportfreunde, die erste Chancen für sich verbuchen konnten. Kevin Freiberger stach dabei besonders heraus: Freiberger suchte sich die Räume, nahm die Zweikämpfe an und war von der Gästedefensive nicht in den Griff zu bekommen. Doch auch sonst standen die „Löwen“ unsicher und meist offen, in den Zweikämpfen hatte der TSV keinen Biss und in der Offensive ging es nur über lange Bälle und ohne den konsequenten Abschluss. Lotte suchte seinen Weg aus einer kompakten Defensive und über den kontrollierten Spielaufbau. Und das hatte Erfolg: In der 28. Spielminute setzte sich Kevin Freiberger nach einem präzisen Zuspiel gut gegen gleich zwei Gegenspieler durch, seinen Abschluss konnte der Zweitligist noch blocken. Der Ball kam an den zweiten Pfosten zu Jaroslaw Lindner: trocken und ohne Humor nagelte Lindner den Ball unter die Latte zur Lotter Führung. Das Stadion kochte, die Zuschauer und auch die Spieler merkten dass auch heute Abend großes möglich ist. Entsprechend motiviert blieb der Drittligist: Lotte gab keinen Ball verloren, setzte immer wieder nach und konterte im eigenen Stadion.

So auch im zweiten Durchgang. SFL-Coach Ismail Atalan musste in der Pause verletzungsbedingt wechseln: Für den Torschützen Jaroslaw Lindner kam Saliou Sane ins Spiel. Die Sportfreunde Lotte blieben das spielbestimmende Team, von den Gästen aus der bayrischen Landeshauptstadt kam weiterhin nicht viel. Saliou Sane nahm den Platz auf dem linken Flügel ein und wusste dort gleich zu überzeugen: Der bullige Stürmer setzte seinen Körper ein und behauptete wichtige Bälle, seine Übersicht leitete mehrfach gefährliche Angriffe der Sportfreunde ein. So auch gut zehn Minuten nach Wiederbeginn: Bernd Rosinger wurde von Nico Neidhart freigespielt, über Saliou Sane kam der Ball zurück zu Rosinger – einzig im Abschluss könnte man heute einen Lotter Makel festmachen. Besser machte es Rosingers Teamkollege Kevin Freiberger nur drei Minuten später: Ein langer Ball und ein perfekt getimter Antritt hebelte die gesamte TSV-Hintermannschaft aus, Freiberger tauchte plötzlich mutterseelenalleine vor 1860-Keeper Stefan Ortega auf. Lässig umkurvte Freiberger den Schlussmann und schob problemlos und ohne Gegenwehr zum 2:0 ein. Das Spiel schien schon jetzt gelaufen, auch weil der TSV 1860 München in der Folgezeit von der Rolle zu sein schien. Die Ordnung war bei den Löwen nun fast komplett dahin und auch in der Offensive lief nichts mehr. Anders bei den Sportfreunden: Die Gastgeber drängten auf den dritten Treffer, spielten aber phasenweise kompliziert und suchten den Abschluss zu spät. In der Schlussminute holte sich Münchens Lucas Ribarmar von Schiedsrichter Christian Dingert völlig zurecht die rote Karte ab: Ribarmar mähte Lottes Kevin Freiberger an der Seitenlinie brutal um, Dingert hatte keine andere Wahl. Kurz darauf war Schluss: Die Sportfreunde Lotte ziehen verdient ins Viertelfinale ein.

„Ich brauchte meine Ruhe und musste erstmal begreifen, was da gerade passierte“, SFL-Coach Ismail Atalan war auch eine halbe Stunde nach dem Spiel noch auf Wolke sieben. Ismail weiter: „Die Jungs haben unglaublich gut gearbeitet und sich das Viertelfinale verdient. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir haben 1860 München kontrolliert und uns dafür belohnt.“ Auf der anderen Seite herrschte pure Niedergeschlagenheit. Löwen-Trainer Viktor Perreira sah eine schwache Leistung seiner Mannen: „Wir waren zu harmlos, haben es nicht geschafft unser Spiel aufzuziehen und viele Fehler gemacht. Daran müssen wir jetzt arbeiten. Die Zeit ist sehr knapp, dennoch müssen wir uns jetzt voll auf die zweite Bundesliga fokussieren und dort den Blick auf die Tabelle richten.“ Im Fanblock der Löwen entlud sich nach Spielende der Frust. Keine Frage: Während Lotte einen sensationellen Pokalabend feiert stehen den Löwen schwere Zeiten bevor.

Sportfreunde Lotte: Fernandez – Nauber, Rahn, Gorschlüter (66. Heyer), Dej, Rosinger (88. Brock), Neidhart, Freiberger, Pires-Rodriguez, Langlitz, Lindner (46. Sane)

TSV 1860 München: Ortega – Mauersberger (71. Perdedaj), Wittek, Boenisch, Gytkjaer, Liendl, Stojkovic, Ba, Lumor-Agbenyenu (71. Ribamar), Aigner (46. Aycicek), Amilton

Tore: 1:0 Lindner (28.), 2:0 Freiberger (58.)

Rote Karte: Ribarmar (TSV 1860 München, 90. wegen groben Foulspiel)

Zuschauer: 10.053 (ausverkauft)