Kickers Offenbach, FSV Frankfurt, SSV Ulm, FC Homburg oder auch Hessen Kassel – die Liste der großen Namen in der Regionalliga Südwest ist lang. Grund genug, um einen kleinen Blick über den Tellerrand zu wagen und einen Besuch der Liga am Beispiel von Astoria Walldorf etwas näher zu beleuchten.

„Die Liga ist klasse. Die vielen Traditionsvereine machen es richtig interessant. Ich spiele gerne hier“, sagt Mirco Born. Der Ex-Meppener in Diensten des FC Astoria Walldorf spricht wahrscheinlich vielen Spielern aus der Seele. Die Regionalliga Südwest wartet bereits seit Jahren mit einem durchaus attraktiven Teilnehmerfeld auf und dürfte für den Zuschauer zu den attraktivsten Ligen gehören.

Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid: so schön die Traditionsvereine und die großen Namen in der Liga auch sind, so hart ist das Schicksal manches Vereins. Der namhafteste Verein in der Regionalliga Südwest dürfte zweifelsohne Kickers Offenbach sein. Die Hessen stiegen 1968 in die Bundesliga auf, entwickelten sich aber zu einer „Fahrstuhlmannschaft“ und waren auch im ersten „Bundesliga-Skandal“ 1971 verwickelt. Dennoch feierte Offenbach in der Vergangenheit einige Erfolge: der größte Erfolg war der DFB-Pokalsieg 1969/70. Etwas mehr als vierzig Jahre nach dem Pokalsieg waren die Kickers am Boden: mit dem Lizenzentzug und der Insolvenz im Jahr 2013 stieg Offenbach in die Regionalliga Südwest ab. In der Gegenwart arbeitet der Rekordsieger des Hessenpokals (elf Titel) an der Neuausrichtung und gehört zu den Spitzenmannschaften der Liga.

Ein weiterer, ehemaliger Bundesligist in der Regionalliga Südwest ist der FC Homburg: die Saarländer spielten in den 1980er Jahren im Oberhaus und kamen auf 102 Bundesligaspiele. 1986 gelang der erstmalige Aufstieg in die höchste Spielklasse, bekannt wurde Homburg aber auf anderem Wege. In der Folgesaison lief der FCH mit einem Kondomhersteller als Trikotsponsor auf. Damit sorgte Homburg für Empörung auf DFB-Ebene. Der Verband drohte mit Strafen, Homburg zog vor Gericht. Und bekam Recht: die Trikotwerbung blieb legal und bis heute sind die Shirts mit dem „empörenden Schriftzug“ unter Sammlern heiß begehrt. 1995 stieg Homburg aus dem Profifußball ab. Viele bekannte Namen spielten für den FCH. Jimmy Hartwig, Willy Landgraf oder auch Miroslav Klose sind nur drei Beispiele.

Auch der SSV Ulm 1846 ist ehemaliger Bundesligist im Kreise der Regionalliga Südwest. Die „Spatzen“, wie der SSV im Volksmund genannt wird, marschierten von 1997 bis 1999 aus der dritten Liga in die Bundesliga. Trainer war Ralf Rangnick. Das Abenteuer Bundesliga war für den SSV nach einer turbulenten Saison jedoch schon wieder beendet. Ulm kratzte in der Saison 1999/2000 an den internationalen Plätzen, mit einer deftigen Niederlage gegen Bayer Leverkusen begann der Niedergang der „Spatzen“. Ulm stieg als Tabellensechzehnter am Saisonende wieder ab. In der Folgesaison stieg Ulm auch aus der zweiten Liga direkt ab, die Lizenz für die dritte Liga wurde den Schwarz-Weißen in der Insolvenz verweigert. Durch die Insolvenz hätte der SSV Ulm aus der vierten Liga absteigen müssen. Der Verein reagierte, meldete die zweite Mannschaft als erste Mannschaft und ging in der Verbandsliga Württemberg an den Start. Nur schwer kamen die „Spatzen“ zurück: 2012 gelang der Aufstieg in die Regionalliga Südwest, 2014 stieg Ulm wieder ab Seit 2016 gehören die Ulmer nun wieder zur Regionalliga Südwest. Auch bei den „Spatzen“ spielten einige große Namen: Weltmeister „Toni“ Turek zum Beispiel. Auch die beiden „Hoeneß-Brüder“ Uli und Dieter sowie Thomas Tuchel schnürten ihre Schuhe für den SSV. Aus der jüngsten Vergangenheit brachten es die ehemaligen Ulmer Mario Gomez und Loris Karius auf die große Fußballbühne.

Neben den ehemaligen Bundesligisten tummeln sich eine ganze Menge ehemalige Zweitligisten in der Regionalliga Südwest. Der FSV Frankfurt beispielsweise. Die Hessen absolvierten 574 Spiele im „Unterhaus“. Auf 304 Zweitligaspiele kommt Hessen Kassel. Die FK Pirmasens lief insgesamt 152 Mal in der 2. Bundesliga auf, der VfR Aalen 102 Mal. Daneben finden sich auch aufstrebende Vereine wie die TSG Balingen oder auch Astoria Walldorf.

Letztere hatten am vergangen Samstag die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim zu Gast. Im Waldstadion, eigentlich Spielstätte der zweiten Mannschaft, sahen die 150 Zuschauer eine flotte Begegnung mit sieben Toren. 3:4 (2:2) hieß es am Ende aus Sicht der Astoria. Doch das Ergebnis war nebensächlich. Beide Teams waren schon vor dem Spiel gerettet. „Ich fühle mich hier richtig wohl, Walldorf ist meine Heimat geworden“, sagt Mirco Born über seinen Verein. Born hatte maßgeblichen Anteil am Meppener Aufstieg 2017 und spielt seit 2020 für Astoria Walldorf. Lange war Born verletzt, feierte erst letzte Woche in Offenbach sein Comeback und will nun mit Astoria angreifen. „Hier passt einfach alles. Das Umfeld und der Verein sind super und auch die Mannschaft ist hungrig“, sagt der gebürtige Emsländer. Eindrücke, die sich bei einem Besuch im beschaulichen Walldorf (ca. 15.000 Einwohner) im Rhein-Neckar-Kreis nur bestätigen. Astoria verfügt im Norden der Stadt über eine stattliche Sportanlage: zwei Stadien und drei weitere Plätze lassen keine Wünsche offen, auch die Infrastruktur rund um die Anlagen ist mindestens semiprofessionell.

Offen und herzlich empfangen fühlt man sich beim FC Astoria gleich wohl. Am vergangen Samstag durften erstmals nach vielen Monaten wieder Zuschauer ins Stadion. Zurückhaltend, ja fast schüchtern, fanden rund 150 Besucher den Weg ins Waldstadion. Astoria bot Getränke und kleine Snacks an und mit Aufhebung der Maskenpflicht an den Sitzplätzen kehrte so etwas wie Normalität ein. Ungewohnte Gefühle machten sich auch beim Autor dieser Zeilen breit und selbst der Verzehr der äußerst schmackhaften Stadionwurst wirkte wie eine Ordnungswidrigkeit. Doch so langsam kehrt das Leben zurück auf die Anlagen und in die Stadien. Ein Leben, dass sich Vereine und Mannschaften sehnsüchtig wünschen. Denn ohne Fans ist der Sport auch über ein Jahr in der Pandemie nur halb so schön. Astoria Walldorf hat am Samstag eindrucksvoll bewiesen wie Spielbetrieb vor Zuschauern und Pandemie sehr gut in Einklang zu bringen sind.

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